Es war ein äußerst märchenhaftes Wochenende mit „Es war einmal – das Märchen der Young Chorporation“!

Geschrieben von Holger Gayer am .

Manchmal braucht es vor allem weiß, um die Farben des Lebens in vollem Glanz erstrahlen zu lassen. Was für eine wunderbare Explosion daraus erfolgen kann, durften die restlos begeisterten Zuschauer am vergangenen Wochenende bei „Es war einmal – das Märchen der Young Chorporation“ in der Kirchheimer Gemeindehalle erleben. Ganz in weiß trat der vierzigköpfige Chor auf. Dadurch konnten sich die Leiber der Sängerinnen und Sänger in lebendige Projektionsflächen für Bilder verwandeln, die das Publikum in unterschiedliche Märchenwelten entführten: mal mit Hänsel und Gretel in den finsteren Wald, mal mit Aschenputtel in einen pompösen Ballsaal. „Dem, der sich diesen Effekt und diese Kostümierung ausgedacht hat, gehört ein Denkmal gesetzt“, sagte Helmut Neuschwander nach der Premiere des jüngsten Werks der Young Chorporation. Er muss es wissen: als Vorsitzender des Kirchheimer Gesangvereins Liederkranz begleitet Neuschwander den Chor seit seiner Gründung vor 25 Jahren.

Schon in seiner Begrüßung erinnerte der Liederkranz-Chef an die abwechslungsreiche Geschichte der Young Chorporation. Vieles sei im vergangenen Vierteljahrhundert zu sehen und zu hören gewesen von dem gemischten Chor: Musicals wie „45“ und „Bittersweet“, Shows wie „In Concert“, „Fremde Wesen“ oder „Sing – Jetzt und Hier“ mit dem Dirigenten Benedikt Immerz unter der Dusche. Oder, noch gar nicht lange her, das Roadmovie „Take the long way home“.

Auf wunderbar hintersinnige und humorvolle Art zitierte der Chor sich bei seinem Jubiläumsprogramm immer wieder selbst. Da fuhr plötzlich ein alter VW-Bus aus der Garage, dem Bella – eine Figur aus dem Nachkriegsmusical „45“ – entstieg und sich gekonnt auf die Bühne tanzte. Damit hatten die Autoren Bettina Keßler, Denise Munz, Svenja Scherb, Uli Sander, Uwe Wallner und Holger Gayer gleich an zwei Meilensteine der Young Chorporation erinnert: ebenjenes Musical „45“ und „Take the long way home“, wo es ein betagter VW-Käfer war, der am Ende des Stückes aus der Garage fuhr.

Auch einige Helden aus dem Rockmusical „Bittersweet“ traten wieder auf: der pelzige Hook Line (Holger Gayer) mit seiner emanzipierten Gefährtin Gigi (Denise Munz) und der großartige Sänger Gabriel (Götz Schwarzkopf) mit der engelsgleichen Laura (Teresa Schmid). Und spätestens da, als die beiden zusammen mit dem Cellisten Hannes Link die sagenhafte Ballade „Vater“ spielten, dürfte im Publikum die eine oder andere Träne geflossen sein – zum einen wegen des ergreifenden Stücks an sich, aber auch weil die frühere Young-Chorporation-Dirigentin Teresa Schmid eigens aus Würzburg angereist war, um mit ihrem ehemaligen Chor zu singen und zu feiern.

Tatsächlich war es ein einziges, riesengroßes Fest, das die Young Chorporation ihren Fans – und sich selbst – zum Geburtstag schenkte. Auf einer Bühne, die Brigitte Wittich und Thomas Nollenberger in einen wahren Zauberkasten verwandelt hatten, ließ Regisseur Michael Arnold gekonnt die einzelnen Märchenszenen ineinander fließen. Da gaben sich Rotkäppchen, Dornröschen und Schneewittchen förmlich die Klinke in die Hand. Und sie hatten sich fantastische Freunde eingeladen: Eine unglaublich kraftvolle Band, ein urkomisches Erzähler-Duo (Julia Ofner und Hilmar Friedel) und das akrobatisch-charismatische Tanzensemble La Passion aus Lauffen ergänzten die Lieder der Young Chorporation zu einem Feuerwerk für alle Sinne.

Doch immer wieder nahm sich der Chor auch die Zeit für seine ganz eigene Kunst. Von Dirigent Benedikt Immerz perfekt eingestellt, zeigten die Sängerinnen und Sänger bei „Better run away“ oder „Give a little bit“, wie gut und vermeintlich spielerisch leicht sie selbst mit raffiniertesten Arrangements umgehen können – und das, obwohl (oder gerade weil) sie alle Lieder auswendig sangen.

So blieb den Gästen am Ende zweier unvergesslicher Abende nur zweierlei zu tun: sich zum Applaus für das bunte Spektakel zu erheben und darauf zu hoffen, dass Hilmar Friedels letzter Satz noch viele Jahre Bestand haben sollte: „Und weil sie nicht gestorben sind, singen sie noch heute“.

Es war einmal – das Märchen der Young Chorporation

Geschrieben von Holger Gayer am .

Die Sache mit dem Erinnern ist eine feine Angelegenheit. Blicken wir zum Beispiel auf das Jahr 1994 zurück, erkennen wir prompt drei bis vier Ereignisse, die einen wesentlichen Teil der Welt veränderten. Erstens: Der Arbeitskreis Heimische Orchideen ernannte das Sumpf-Glanzkraut (Liparis loeselii) zur Orchidee des Jahres. Zweitens: Helmut Kohl war immer noch Bundeskanzler. Drittens und viertens: Rammstein und die Young Chorporation wurden geboren – die einen in Berlin, die anderen in Kirchheim am Neckar. Mit Musik (und manchmal mit dem Feuer) spielen seither beide.

Vokal-Legenden im Doppelpack

Geschrieben von Holger Gayer am .

Selten hat eine Band ihr Publikum so rasch gefangen wie Onair das am vergangenen Samstag in der Lauffener Stadthalle gelungen ist. Bereits nach dem Auftakt mit dem Earth Song von Michael Jackson waren die Zuhörerinnen und Zuhörer so begeistert von der Darbietung des Berliner A-Cappella-Ensembles, dass der Applaus kaum enden wollte. Und das sollte sich in den kommenden zwei Stunden nicht ändern.