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Kapitel 4: Der Beginn der Ära Teresa

Der Wachwechsel an der Spitze des Chores war längst vollzogen, als Denise Munz, in der Nachfolge von Holger Gayer die neue Sprecherin der Young Chorporation, eine heikle Mission zu erfüllen hatte. Es ging darum, einen neuen Dirigenten zu finden. Oder eine neue Dirigentin. „Das erste, an das ich mich mit Teresa erinnere, war unser Telefonat Anfang 2001“, erzählt Denise Munz, „wir hatten eine Chorleiterstelle ausgeschrieben, und Thomas Winter, unser vorheriger Chorleiter hatte sie an der Musikhochschule in Stuttgart ausgehängt. Als ich ans Telefon ging, meldete sich am anderen Ende eine noch sehr junge Frauenstimme. Sie hieß Teresa Schuh und war gerade mal 21 Jahre alt. Sie suchte einen Chor und erzählte mir, dass sie an der Hochschule studiere, schon einmal einen etwas „älteren“ Chor dirigiert habe und die C-Ausbildung hat. Ich habe bis heute keine Ahnung was das bedeutet, aber ich lud sie zu einem Probedirigat in eine unserer nächsten Chorproben ein.“

Diese eine Stunde war unglaublich. Obwohl Teresa Schuh einen erfahrenen, männlichen Mitbewerber hatte, „war sie es, die unsere Herzen eroberte“, sagt Denise Munz. Sie erinnere sich „noch genau, wie wir im Stuhlkreis saßen und erst einmal großes Schweigen herrschte. So viele Fakten sprachen für den Herrn: nach den vielen Wechseln der Chorleiter in den Jahren davor, suchten wir jemanden, der uns länger erhalten bleiben würde. Der Mann war Anfang 30, hatte Familie, wohnte in der Nähe, hatte Chor- und Banderfahrung, die für den Jugendchor damals hilfreich gewesen wäre. Aber was hilft das alles, wenn Herz und Hirn konkurrieren? Wenn Herzen sprechen, bleibt die Vernunft zum Glück oft außen vor. Wir alle waren bei der anschließenden Abstimmung einstimmig der Meinung, dass Teresa den Herrn mit ihrer ruhigen, aber bestimmten Art den Chor zu leiten um Längen geschlagen hatte. Wenn wir damals gewusst hätten, was diese junge Frau mit dem nicht ganz gewöhnlichen Chor noch alles vor sich hat, hätten wir den Stuhlkreis nicht gebraucht.“

 

Ihr erster offizieller Auftritt mit der Young Chorporation war am 4. November 2001 beim Liederabend in Lauffen, den der Chor, der längst auch in Lauffen Wurzeln geschlagen hatte, mit dem Liederkranz Lauffen bestritt. Was sie wirklich konnte, bewies Teresa Schuh schon wenige Wochen später. 2002 wurde der Liederkranz 150 Jahre alt und aus diesem Anlass fand gleich im Januar unser Jubiläumskonzert mit allen vier Chören statt, von denen die junge Dirigentin damals noch drei leitete: den Kinderchor, den Jugendchor und die Young Chorporation. Doch der Aufgaben nicht genug, nein, sie durfte damals auch gleich noch die Süddeutschen Kammersolisten dirigieren, die zusammen mit dem Männerchor und der Young Chorporation unter anderem Händels Halleluja aus dem Oratorium „Der Messias“ aufführten. Und schließlich „Gemeinsame Gegensätze“. Das war das wahre Jubiläumsprogramm, geschrieben von Uli Sander, mit Langfestredner, Bänkelsänger, vier Chören, den Klengagässlesmusikanten, einer Band, einigen Kleingruppen und einem Live-Interview der beiden Gerhards – Munz und Nollenberger. Ein legendärer Abend.

Wenn die Young Chorporation am 11. und 12. Mai 2019 mit ihrem Jubiläumsprogramm „Es war einmal – das Märchen der Young Chorporation“ in der Kirchheimer Gemeindehalle auftritt, werden die 40 Sängerinnen und Sänger ein Lied aus „Gemeinsame Gegensätze“ dabei haben: „Hail Holy Queen“. Eintrittskarten zum Preis von 12 Euro (8 Euro für Schüler und Studenten) gibt es im Dorfladen im Kirchheimer Ortszentrum, in der Obsthalle an der B27 zwischen Lauffen und Kirchheim sowie im Eine-Welt-Laden in Lauffen.