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Kapitel 3: Das Ende des Anfangs

Es war wie so oft im Leben: Der großartige Erfolg läutete gleichzeitig eine schmerzhafte Trennung ein. So erging es 1997 auch der Young Chorporation: Obwohl der Chor viele Menschen mit dem von der Band Profil geschriebenem Nachkriegsmusical „45“ begeisterte, lebten sich die Sänger und ihre Dirigentin Andrea Deser zusehends auseinander. Die Scheidung war unvermeidlich, und sie erfolgte am 3. Juli 1997. Nachfolgerin von Andrea Deser wurde Eibe Möhlmann.

Es war eine schwierige Zeit, die den Chor auch einige Mitglieder gekostet hat. Die dabei blieben, erlebten indes einen ungeheuren Qualitätssprung. Eibe Möhlmann war eine Pedantin im besten Sinne des Wortes. Sie gab sich nicht mit 99 Prozent zufrieden: Intonation, Ausdruck, Dynamik – alles musste perfekt sein. So lernte der Chor Lieder, die bis dahin undenkbar waren. Was fehlte, war ein großer Auftritt, etwas Besonderes, das zwar kein Abklatsch von „45“ sein durfte, aber mehr sein musste als das bloße Abspulen von ein, zwei Liedern im Rahmenprogramm irgendeiner Veranstaltung. Die Lösung hieß schlicht „...in concert“ – und war zum ersten Mal eine Mixtur aus Musik und Film, wie sie der Chor später bei „Take the long way home“ weiterentwickelt hat.

Mehr als 800 Menschen sahen „...in concert“ am 17. und 18. April 1999. Die Presse berichtete von einem „anspruchsvollen A-cappella Konzert mit einem Höhepunkt nach dem anderen“. Die Young Chorporation habe „durch gesangliche Qualität“ bestochen und dafür „tosenden Beifall von einem begeisterten Publikum“ erhalten. All das stimmt. Und doch war „...in concert“ auch ein trauriges Erlebnis für den Chor. Nur wenige Minuten nach dem Ende der Premiere kündigte die Dirigentin Eibe Möhlmann  und übergab dem damaligen Sprecher des Chors, Holger Gayer, wortlos den Schlüssel für das Sängerheim.

Die Übergangszeit überbrückte Thomas Winter, der bis dato Leiter des Kinder- und Jugendchores war und nun auch die Young Chorporation übernahm. Es war freilich eine Herkulesaufgabe, die der junge Dirigent aus Stuttgart zu lösen hatte. Denn der Chor brauchte einerseits eine Zeit der Konsolidierung, andererseits aber ein Ziel, auf das er hin arbeiten konnte. Ein größeres Projekt war jedoch nicht zu realisieren, und so gab sich die Young Chorporation zwei Jahre lang mit kleineren Auftritten zufrieden.

Einen lange gehegten Traum erfüllte sich die Young Chorporation, noch unter der Leitung von Thomas Winter, am 18. März 2001. Zum ersten Mal trat der Chor mit einem kompletten Programm in einer Kirche auf. Das Konzert trugt den Titel „Crescendo“ – ein Begriff, der aus dem Italienischen stammt und wörtlich übersetzt „anwachsend, anschwellend, stärker werdend“ heißt – und schließlich wieder sinnbildlich für die Young Chorporation stehen sollte. Denn unmittelbar nach den Sommerferien des Jahres 2001 begann ein neues, großes Kapitel in der Geschichte der Young Chorporation. Eine junge Frau aus Stuttgart kam und löste Thomas Winter als  Dirigent ab. Ihr Name: Teresa Schuh.

Wenn die Young Chorporation am 11. und 12. Mai 2019 mit ihrem Jubiläumsprogramm „Es war einmal – das Märchen der Young Chorporation“ in der Kirchheimer Gemeindehalle auftritt, werden die 40 Sängerinnen und Sänger mehrere Lieder aus „...in concert“ dabei haben: „Short People“ und „Only you“. Eintrittskarten zum Preis von 12 Euro (8 Euro für Schüler und Studenten) gibt es im Dorfladen im Kirchheimer Ortszentrum, in der Obsthalle an der B27 zwischen Lauffen und Kirchheim sowie im Eine-Welt-Laden in Lauffen.